EU-Gleichbehandlungsstelle

Soziale Medien

"Die Leute wollen wissen, wie das System hier funktioniert"

Und zwar schnell, konkret und in ihrer Muttersprache. Das geht am besten über soziale Netzwerke wie Facebook, betonen Maja Niestroj von der Facebook-Seite "Polki w Berlinie e.V." (Polinnen in Berlin) und Katarina Niewiedzial, Integrationsbeauftragte von Berlin-Pankow. Sie erzählen von Falschmeldungen und wie man auf Facebook Berührungsängste vor Behörden abbauen kann.

Maja Niestroj Maja Niestroj: Mitglied des Vereins "Polinnen in Berlin" und Dozentin für Online Marketing Maja Niestroj: Mitglied des Vereins "Polinnen in Berlin" und Dozentin für Online Marketing Quelle: Barbara Bogacka

Frage: Frau Niestroj, Sie sind vor vier Jahren über eine alltägliche Frage zum Facebook-Netzwerk "Polinnen in Berlin" gekommen - Sie wollten das Fahrrad Ihrer Tochter in ein größeres tauschen. Wie stoßen die anderen Nutzer auf die Facebook-Seite?

Maja Niestroj: Genau so. Meistens suchen die Leute nach einer schnellen Antwort auf eine Frage im Internet - oft auf Facebook und eigentlich immer in ihrer Muttersprache. Über ganz simple Fragen kommen die Leute dann zu uns. Die meisten bleiben, weil unser Facebook-Netzwerk weitere 20 Gruppen vereint, bei denen es um Kinder, Arbeit oder einfach das Vernetzen an sich geht.

Frau Niewiedzial, Sie betreuen die Facebook-Seite "Neu in Pankow". Wie werden die Nutzer auf Ihre Seite aufmerksam?

Katarina Niewiedzial: Ganz ähnlich. Die neuzugewanderten Menschen haben ganz konkrete Fragen. Zum Beispiel: Muss ich GEZ-Gebühren zahlen? Wo bekomme ich einen Kita-Gutschein? Wie finde ich eine Wohnung in Berlin? Unser Konzept ist, eine Frage zu posten und die Antwort darauf zu geben. Damit erreichen wir Hunderte, manchmal Tausende Menschen - viel mehr, als über eine Veranstaltung oder einen Flyer.

Maja Niestroj: Wir richten uns gezielt an polnische oder polnischstämmige Frauen. Für sie ist der Kontakt zu anderen Polinnen - auch wegen der Sprachbarriere - sehr wichtig, denn viele Neuzuwanderer haben kein Netzwerk in Deutschland.

Wie gehen Sie mit Falschmeldungen in den sozialen Medien um?

Maja Niestroj: Unsere Seite wird stark moderiert. Wir prüfen jeden Post, bevor er freigeschaltet wird.

Katarina Niewiedzial: In den sozialen Medien kursieren abstruse Meldungen. Zum Beispiel, dass es kostenpflichtig sei, einen Antrag für die Kita oder andere Formulare auszufüllen. In unserem Welcome Center berät eine Mitarbeiterin in polnischer Sprache. Vor kurzem habe ich erfahren, dass ihr Kontakt unter den polnischen Pendlern gegen Geld weitergegeben wird. Viele können sich gar nicht vorstellen, dass es kostenlose staatliche Beratungsleistung gibt. Auch darüber klären wir auf der Facebook-Seite auf. Mit unserem Stempel "Bezirksamt" genießen wir bei den Communities Vertrauen und gelten zudem als seriös.

Verweisen Sie auch auf öffentliche Stellen, bei denen sich die Migranten und Migrantinnen beraten lassen können?

Maja Niestroj: Wir geben ständig Hinweise. Denn: Wir wollen nicht beraten. Wir wollen informieren und vernetzen. Dazu sind unserer Meinung nach die sozialen Netzwerke wie Facebook da. Die Beratung muss von anderer Stelle geschehen. Was durchaus aber passiert, ist, dass wir auf öffentliche Stellen verweisen und sich die Frauen auf Facebook dann verabreden, gemeinsam dorthin zu gehen.

Katarina Niewiedzial: Wenn wir auf Facebook konkrete Fragen beantworten, geben wir natürlich den Hinweis, wo man sich ausführlich beraten lassen kann. Facebook ist ein Vehikel für uns - es ist einfach das Informationsmedium für Neuzugewanderte. Wir streuen Information, ermutigen die Leute sich zu engagieren und wollen Berührungsängste vor öffentlichen Stellen und Behörden abbauen.

Maja Niestroj unterstützt den Verein "Polinnen in Berlin" im Bereich Soziale Medien. Sie arbeitet als Job Coach bei der Firma Inhaus in Berlin.

Katarina Niewiedzial ist Integrationsbeauftragte des Bezirks Berlin-Pankow.