EU-Gleichbehandlungsstelle

Fachforum

 „24-Stunden-Pflege“

Auf Einladung der Gleichbehandlungsstelle EU-Arbeitnehmer diskutierte das Fachforum über die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Betreuungskräfte.

Der Pflege- und Betreuungsbedarf in Deutschland ist groß – Tendenz steigend: In privaten Haushalten unterstützen geschätzt 200.000 bis 400.000 Frauen aus Osteuropa Pflege- und Betreuungsbedürftige. Am 8. Mai 2019 diskutierten Experten/innen die sogenannte „24-Stunden-Pflege“ unter dem Titel „Pflegekräfte aus Osteuropa in Privathaushalten - Status Quo und Perspektive“. Vertreter/innen aus der Praxis, der Wissenschaft, den Verbänden und Gewerkschaften sowie den Ressorts setzten sich mit Status Quo und möglichen Lösungsansätze zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Betreuungskräfte und Haushaltshilfen in privaten Haushalten auseinander.

Was versteht man unter dem Begriff "24-Stunden-Pflege"?
Doppelt irreführend wird im allgemeinen Sprachgebrauch von „24-Stunden-Pflege“ gesprochen: Zum einen handelt es sich nicht um professionelle Pflege, sondern um Unterstützungsleistungen bei der Betreuung einer Person in ihrem Haushalt; zum anderen dürfen diese Dienstleistungen arbeitsrechtlich nicht für 24 Stunden und an sieben Tagen die Woche – bereitgestellt durch eine einzelne Betreuungskraft – verfügbar sein.

Aktuelle Entwicklungen und Probleme im Bereich der privaten Pflege
Betreuungskräfte und Haushaltshilfen, die in privaten Haushalten Pflege- und Betreuungsbedürftige unterstützen, stellen einen wachsenden Markt dar. In privaten Haushalten arbeiten oftmals Frauen, die aus (ost-)europäischen Ländern nach Deutschland zuwandern. Es handelt sich um einen Bereich, der anfällig ist für Schwarzarbeit und Scheinselbständigkeit. Die Arbeitsbedingungen sind oft schlecht. Die starke (finanzielle) Abhängigkeit vom Arbeitgeber, die oft gegebenen Unkenntnisse über Rechte und Pflichten und geringe Deutschkenntnisse sowie die schwer kontrollierbaren Räume eines privaten Haushaltes machen die Frauen anfällig für Arbeitsausbeutung. Spezifische Regularien für diesen Dienstleistungssektor gibt es in Deutschland nicht, wodurch Raum gelassen wird für die Entwicklung eines undurchsichtigen Marktes.

Die Teilnehmer/innen des Fachforums diskutierten unter anderem folgende Aspekte

  • Arbeitszeiten (u.a. Anwendbarkeit des Arbeitszeitgesetzes),
  • Arbeitsverträge und Vertragspartner,
  • Erlaubte Tätigkeiten in Abgrenzung zu professioneller Pflege und Qualifizierung,
  • Rolle der Vermittlungsagenturen (Einführung eines Gütesiegels),
  • Beratungs- und Informationsarbeit sowohl auf Seiten der Betreuungskräfte als auch der Haushalte (Ansprache durch Verbraucherzentralen und Beratungsstellen, u.a. über soziale Medien),
  • Modelle guter Praxis (CariFair und vij-FairCare).

Ausführliche Informationen sowie alle Vorträge der Veranstaltung stehen in der rechten Spalte "Weitere Informationen" zum Download bereit.

Montag, 20. Mai 2019