Neuzugewanderte Frauen digital adressieren

Digital Active Women Neuzugewanderte Frauen digital adressieren

Das Projekt „Digital Active Women“ entwickelt mit Hilfe des Citizen Science-Ansatzes Empfehlungen und Modelle für passgenaue digitale Beratungs- und Informationsangebote für neuzugewanderte Frauen. Es unterstützt interessierte Akteure dabei, ihre Angebote für die Zielgruppe entsprechend anzupassen und weiterzuentwickeln.

Ausgangssituation

Neuzugewanderte Frauen haben einen enormen Informations- und Beratungsbedarf hinsichtlich verschiedener Themen gesellschaftlicher Teilhabe. Stärker als Männer sind sie dazu in digitalen, insbesondere sozialen Medien auf der Suche. Das belegen etwa die Daten aus dem Beratungsprojekt in den sozialen Medien MB 4.0 – Gute Arbeit in Deutschland, das von der Gleichbehandlungsstelle EU-Arbeitnehmer gefördert wird.

Die meisten Akteure haben die Erreichbarkeit dieser Zielgruppe im digitalen Bereich bisher kaum im Blick. Dementsprechend wenig gibt es digitale Beratungs- und Informationsangebote, die auf die spezifischen Bedarfe von neuzugewanderten Frauen ausgerichtet sind. Ein direkter Austausch zwischen Informations- und Beratungsanbietern und der Zielgruppe mit dem Ziel der Verbesserung und Weiterentwicklung bestehender Angebote findet bisher kaum statt.

Citizen Science: Forschung partizipativ gestalten 

Das Projekt Digital Active Women – durchgeführt von Minor - Projektkontor für Bildung und Forschung – setzt genau hier an, indem es Kommunen, Migrations- und Sozialberatungsstellen sowie Migrantinnenselbstorganisationen (MO) für die Bedarfe neuzugewanderter Frauen hinsichtlich digitaler Beratung und Information sensibilisiert und sie dabei unterstützt, ihre Angebote anzupassen, zu erweitern sowie neue, innovative Ansätze zu entwickeln. Die Perspektive neuzugewanderter Frauen aktiv einzubinden, spielt dabei eine entscheidende Rolle. Digital Active Women arbeitet deshalb mit dem Citizen Science Ansatz. Konkret heißt das, dass neuzugewanderte Frauen in dem dreijährigen partizipativen Forschungsprojekt als Co-Forscherinnen eingebunden sind und als Expertinnen mit eigenen Erfahrungswerten dazu beitragen, die Bedarfe der Zielgruppe sichtbar zu machen. Als neuzugewandert werden in dem Projekt Frauen definiert, die seit maximal sieben Jahren in Deutschland leben.

Perspektiven erweitern

Derzeit sind es 37 Co-Forscherinnen aus 20 verschiedenen Herkunftsländern, u. a. Türkei, Syrien, Polen, Rumänien, Ägypten, Spanien, Brasilien und Äthiopien, die im Rahmen von Digital Active Women gemeinsam mit dem Projektteam zu den Erfahrungen und Bedarfen hinsichtlich digitaler Information und Beratung forschen. Die Co-Forscherinnen stellen dabei, wie neuzugewanderte Frauen insgesamt, eine äußerst heterogene Gruppe dar. Sie verfügen über verschiedene Bildungshintergründe und Berufserfahrungen (akademische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich), befinden sich aktuell in unterschiedlichen Lebenssituationen und leben an verschiedenen Orten in Deutschland. Gemeinsam ist ihnen allen ihr großes Interesse und ihre hohe Motivation, die Situation neuzugewanderter Frauen hinsichtlich Information und Beratung zu den Themen Bildung, Gesundheit, Arbeit sowie politische und zivilgesellschaftliche Teilhabe zu verbessern.

Austausch fördern und Angebote verbessern

Im Rahmen der 1. Forschungsphase führten die Co-Forscherinnen im Sommer 2021 über einen Zeitraum von zwei Monaten Befragungen in den sozialen Medien mit in Deutschland lebenden neuzugewanderten Frauen in den jeweiligen Muttersprachen durch. Erfragt wurden hierbei ihre Bedarfe, Wünsche, Erfahrungen und Anregungen hinsichtlich digitaler Beratungs- und Informationsangebote.  

Die Ergebnisse der Befragung werden publiziert und im Mai 2022 im Rahmen von drei Fachgesprächen mit Vertreter/innen von Kommunen, Migrations- und Sozialberatungsstellen und MO diskutiert. Der Fokus wird hierbei auf den Erfahrungen der Anbieter bezüglich der Adressierung neuzugewanderter Frauen liegen, den Ansätzen, mit denen vor Ort gearbeitet wird und der Rolle, die digitale Medien hierbei spielen. Zudem soll es um die Herausforderungen gehen, mit denen die Akteure dabei ggf. konfrontiert sind (Eine Voranmeldung für interessierte Akteure dieser drei Anbietergruppen ist bereits jetzt möglich. Weitere Informationen unter: https://minor-kontor.de/digital-active-women)

Basierend auf den Ergebnissen werden interessierte Akteure der genannten Gruppen in der 2. und 3. Forschungsphase des Projektes seitens der Co-Forscherinnen beraten und begleitet, um ihre digitalen Informations- und Beratungsangebote besser auszurichten. Auf diese Weise fördert Digital Active Women zum einen den direkten Austausch zwischen der Akteursebene und der Zielgruppe neuzugewanderter Frauen. Zum anderen trägt das Projekt dazu bei, die gesellschaftliche Teilhabe neuzugewanderter Frauen zu stärken, indem es ihnen eine starke Stimme im öffentlichen Raum gibt.

Das Projekt wird gefördet von der

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Foto: Robert Bosch Stiftung