Digital Streetwork — E-Learning in der aufsuchenden Beratung: Erfahrungen aus dem Modellprojekt CADS
Das Modellprojekt CADS (Community Advisors – Digital Streetwork für EU-Beschäftigte in Deutschland) hat seit 2023 die aufsuchende Beratung in sozialen Medien weiterentwickelt. Mithilfe von E-Learning-Modulen zu grundlegenden Themen wie Kündigung, Wohngeld, Mutterschutz und Rente informiert das Projekt EU-Zugewanderte mit kurzen, prägnanten Lerneinheiten in zehn Sprachen – verständlich und interaktiv.
Richterhammer
Aufsuchende Beratung in sozialen Medien
Im Modellprojekt CADS wurde der Ansatz der aufsuchenden Beratung – „Digital Streetwork“ – für die Gleichbehandlungsstelle EU-Arbeitnehmer weiterentwickelt. Dabei stand im Fokus, EU-Arbeitnehmende und -Arbeitsuchende in den sozialen Medien gezielt in ihren Rechten auf dem Arbeitsmarkt, bei der Jobsuche und im Umgang mit Diskriminierungen zu stärken. Modellhaft werden Zugewanderte in digitalen Räumen beraten und kursierenden Falschinformationen entgegengewirkt. Seit dem 1. Mai 2026 sind die CADS-Projektstrukturen auf das Bund-Länder Projekt „Kompan - Digital Streetwork für EU-Zugewanderte“ übergegangen (Laufzeit bis 31. Dezember 2027).
Ein zentrales Instrument zur Vermittlung juristisch geprüfter Informationen ist E-Learning. Das Projekt setzt dabei auf Microlearning – kurze, prägnante Lerneinheiten, die schnell abrufbar und passgenau auf die Bedarfe der Zielgruppe zugeschnitten sind. Eingesetzte Formate sind Videos, Infografiken, Quiz und interaktive Module.
Ziele des E-Learnings in der Projektarbeit
E-Learning-Angebote eignen sich aufgrund ihrer Konzeption vor allem für die Grundlagenvermittlung. Viele Informationsbedarfe der Zielgruppe sind komplex, bauen aber auch auf Vorwissen auf. Durch gezielte Lerneinheiten lässt sich der Wissensstand systematisch erweitern und festigen. So können EU-Zugewanderte strukturiert Wissen zu den wichtigen Themen rund um das Leben und Arbeiten in Deutschland erwerben. Die Verknüpfung von Wissensvermittlung mit interaktiven Elementen – etwa einem Quiz – ermöglicht dabei eine unmittelbare Überprüfung des Erlernten.
Abbildungen: E-Learning-Module „Wohngeld“ und „Mutterschutz“ – Stand Juli 2025
Minor – Digital
2025: Unter Verwendung der multimodalen Methode wurde ein Modul zum Thema „Rente in Deutschland“ veröffentlicht. Niedrigschwellig und visuell ansprechend aufgebaut, ergänzten Infoboxen, ein Quiz zur Selbstüberprüfung und ein eingebettetes Reel klare Texte und Grafiken. Die Verlinkung des offiziellen Rentenrechners sowie Hinweise auf Beratungsangebote unterstützten die individuelle Orientierung.
Abbildung: E-Learning-Modul „Rente in Deutschland“ – Stand Juli 2025
Minor – Digital
Fazit: E-Learning zur Stärkung des Zugangs zu Arbeits- und Sozialrechten
Viele EU-Zugewanderte nutzen Plattformen wie Facebook, TikTok oder Instagram als primäre Informationsquelle – insbesondere wenn Präsenzberatungsstellen schwer erreichbar sind oder Sprachbarrieren bestehen. CADS setzt genau dort an: Mit juristisch geprüften Inhalten, interaktiven Formaten und einem innovativen E-Learning-Ansatz wird rechtliches Grundwissen in zehn Sprachen vermittelt – verständlich, praxisnah und flexibel abrufbar.
Die Administratorinnen und Administratoren in den Online-Communities verfügen über hohe Reichweite und Reputation, was die Nutzung der Module deutlich steigert: Zehn Tage nach Veröffentlichung des Renten-Moduls hatten bereits 1.800 Menschen das Angebot genutzt – ein starkes Signal für den großen Informationsbedarf. Die digitalen Angebote wirken zudem gezielt Falschinformationen entgegen und machen digitale Wissensvermittlung zu einem zentralen Baustein erfolgreicher Arbeitsmarktintegration.