Gründen in Deutschland: Unterstützungsmöglichkeiten auch für EU-Zugewanderte
Wer in Deutschland ein Unternehmen gründen möchte, findet hier gute Voraussetzungen – und das gilt auch für EU-Bürgerinnen und EU-Bürger. Dank der europäischen Niederlassungsfreiheit können sie unter denselben Bedingungen gründen wie deutsche Staatsangehörige. Von der kostenlosen Erstberatung bis zur staatlichen Anschubfinanzierung: Dieser Artikel zeigt, welche Angebote es gibt.
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Gleiche Rechte für alle EU-Bürgerinnen und EU-Bürger
EU-Bürgerinnen und EU-Bürger, die in Deutschland leben oder arbeiten, haben aufgrund der europäischen Niederlassungsfreiheit das Recht, hier ein Unternehmen zu gründen – ohne zusätzliche Genehmigungen und zu denselben Konditionen wie deutsche Staatsangehörige. Deutschland zählt dabei zu den attraktivsten Gründungsstandorten in der EU: Der Zugang zum europäischen Binnenmarkt, eine gut ausgebaute Infrastruktur sowie ein wachsendes Umfeld für technologieintensive und nachhaltige Unternehmen schaffen günstige Rahmenbedingungen. Bereits fast jede fünfte Unternehmensgründung in Deutschland geht auf Menschen mit internationaler Biografie zurück.
Erste Schritte zur Gründung
Der Weg zur eigenen Firma ist in Deutschland weitgehend digitalisiert und klar strukturiert. Drei kostenfreie Online-Angebote sind besonders hilfreich:
- Das Portal Wir-gruenden-in-Deutschland.de informiert alle Personen aus einem Nicht-EU Land oder der EU in zahlreichen Sprachen, die sich in Deutschland selbstständig machen wollen oder bereits selbstständig sind.
- Die Gründerplattform unterstützt bei der Erstellung eines Businessplans und der rechtssicheren Gestaltung des Geschäftsmodells.
- Das Existenzgründungsportal des Bundeswirtschaftsministeriums bietet einen strukturierten Leitfaden durch alle Gründungsschritte – von der Wahl der Rechtsform bis zur Anmeldung im Handelsregister.
Als Rechtsformen eignen sich vor allem die Unternehmergesellschaft (UG), die bereits ab einem Euro Stammkapital gegründet werden kann, sowie die klassische Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) für größere Vorhaben. Beide können heute vollständig digital gegründet werden – per Online-Beurkundung und elektronischer Eintragung ins Handelsregister.
Für eine persönliche Erstberatung sind die Industrie- und Handelskammern (IHK) bundesweit erste Anlaufstelle – kostenlos und in vielen Städten mehrsprachig.
Netzwerke und Beratung für Zugewanderte
Für Menschen mit internationaler Biografie gibt es spezialisierte Netzwerke, die über allgemeine Beratungsangebote hinausgehen und beim Markteintritt in Deutschland gezielt unterstützen:
- 2hearts ist eine Gemeinschaft für Gründerinnen und Gründer mit Migrationshintergrund, die Wissen, Kontakte und gegenseitige Unterstützung bündelt.
- Der Migrant Accelerator begleitet zugewanderte Unternehmerinnen und Unternehmer mit Mentoring und praktischen Ressourcen auf dem Weg zur eigenen Firma.
Darüber hinaus ermöglicht die Digital Hub Initiative (de:hub) an bundesweit 25 Standorten den Zugang zu Unternehmenspartnern, Forschungseinrichtungen und Investoren. Der Startup-Verband und der Digitalverband Bitkom e.V. bieten zusätzlich Vernetzungsmöglichkeiten und Interessenvertretung.
Unterstützung für Gründerinnen
Frauen sind in der Gründungsszene noch immer unterrepräsentiert. Gezielte Initiativen setzen genau hier an:
- Die Gründerinnenagentur (bga) bietet bundesweit Beratung, Vernetzung und Qualifizierungsangebote für Gründerinnen.
- Der Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU) vernetzt Unternehmerinnen und stärkt ihre Sichtbarkeit in Wirtschaft und Politik.
- Das Netzwerk Female Angels vermittelt Risikokapital und Mentoring für Gründerinnen mit wachstumsfähigen Geschäftsmodellen.
Finanzierung: Staatliche Förderung in jeder Phase
Staatliche Förderprogramme begleiten Gründerinnen und Gründer von der ersten Idee bis zur internationalen Expansion. Die wichtigsten Instrumente im Überblick:
- Vorbereitungsphase: Das EXIST-Gründungsstipendium sichert den Lebensunterhalt während der Entwicklung von Businessplan und Prototyp; der EXIST-Forschungstransfer fördert technisch aufwendige Vorhaben aus der Wissenschaft.
- Gründungsphase: Der High-Tech Gründerfonds (HTGF) schließt die Finanzierungslücke, die private Investoren in der risikoreichen Anfangsphase häufig hinterlassen.
- Wachstumsphase: Das INVEST-Programm fördert privates Beteiligungskapital mit einem staatlichen Zuschuss von 25 Prozent; KfW-Förderkredite sichern die langfristige Liquidität.
- Internationale Expansion: Der EIC Accelerator der Europäischen Kommission unterstützt besonders wachstumsstarke Unternehmen beim Eintritt in internationale Märkte.
Deutschland bietet EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern ein günstiges Umfeld für den Schritt in die Selbstständigkeit: gleiche Rechte, ein digitalisierter Gründungsprozess und ein dichtes Netz aus Beratung, Netzwerken und Fördermitteln.