Was ist eigentlich EU Fair Care?
„EU Fair Care – Fairness in Care“ ist eine Aufklärungskampagne der Europäischen Arbeitsbehörde (ELA), die sich an verschiedene Akteurinnen und Akteure im Bereich der Langzeitpflege und Betreuung richtet. Sie vermittelt gebündelt Informationen über Rechte und Pflichten bei grenzüberschreitender Beschäftigung in einem anderen EU-Mitgliedstaat – kostenlos und in 26 Sprachen.
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EU Fair Care: Faire Arbeitsbedingungen in Pflege und Betreuung
Die Langzeitpflege und Betreuung ist ein dynamischer Sektor, der aufgrund des demografischen Wandels stark wächst und mobile Arbeitskräfte aus anderen EU-Mitgliedstaaten, insbesondere aus Osteuropa, anzieht. Die mehrsprachige EU Fair Care Kampagne der Europäischen Arbeitsbehörde ist breit angelegt und richtet sich an mobile Arbeitskräfte und Selbstständige, Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, Pflegebedürftige sowie Plattformen und Agenturen für die Jobsuche. Pflege und Betreuung kann in stationären Pflegeeinrichtungen wie Pflege- oder Seniorenheimen oder als Tagespflege stattfinden, aber auch im eigenen Zuhause der pflegebedürftigen Person (dann in der Regel Betreuung als Form der Alltagsunterstützung ohne medizinisch-pflegerische Eingriffe). Durch den niedrigschwelligen Zugang zu Informationen möchte die Europäische Arbeitsbehörde Ausbeutung, schlechten Arbeitsbedingungen, Schwarzarbeit und grenzüberschreitenden Risiken für Beschäftigte in Pflege und Betreuung, aber auch für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber entgegenwirken.
Herzstück des Angebots ist ein interaktives Informations- und Selbstbewertungstool auf der Website von EU Fair Care. Es führt Nutzerinnen und Nutzer angepasst an ihre konkrete Beschäftigungssituation durch typische Arbeitskonstellationen und ihre Rechte und gibt wichtige Handlungsempfehlungen.
Das Tool richtet sich an Beschäftigte, Selbstständige, Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, Vermittlungsagenturen sowie Haushalte, die Pflegeleistungen in Anspruch nehmen. Je nach ausgewählter Rolle und Situation – etwa als entsandte Arbeitskraft, Grenzpendlerin oder direkt angestellter Pflegekraft – erhalten Nutzerinnen und Nutzer konkrete Hinweise darauf, welche Rechtsvorschriften gelten, was vor und während der Tätigkeit zu beachten ist, und wo offizielle Informationen auf EU- und nationaler Ebene zu finden sind.
Die Handlungsempfehlungen sind dabei sehr praktisch gehalten: So wird beispielsweise empfohlen, alle wichtigen Dokumente wie Arbeitsvertrag, Zahlungsnachweise und Arbeitszeitaufzeichnungen in Kopie aufzubewahren, sicherzustellen, dass alle geleisteten Stunden gemeldet werden, und bei Abweichungen vom Vereinbarten das Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen oder eine zuständige Behörde bzw. Gewerkschaft einzuschalten.
Als konkrete Anlaufstellen nennt das Tool je nach Situation unter anderem:
- EURES (Europäisches Portal zur Berufsmobilität) und EURES-Beraterinnen und -Berater für Jobsuche, Arbeitsvermittlung und individuelle Beratung zur Arbeitsmobilität innerhalb der EU
- Your Europe Advice für kostenlose rechtliche Erstberatung in der eigenen Sprache bei grenzüberschreitenden Fragen
- SOLVIT zur außergerichtlichen Beilegung von Problemen mit Behörden in einem anderen EU-Mitgliedstaat
- Nationale Verbindungsbüros für die Entsendung von Arbeitskräften sowie nationale Sozialversicherungsträger für Fragen zur Zuständigkeit und zur Beantragung des Dokuments A1 (Entsendebescheinigung)
- Einheitliche Ansprechpartner (Points of Single Contact) in den Gastländern, wenn es um die Voraussetzungen für die Erbringung von Dienstleistungen geht
- Nationale Arbeitsinspektorate bei Verdacht auf Schwarzarbeit, Scheinselbstständigkeit oder Verstößen gegen Arbeitsbedingungen
Das Tool ist damit nicht nur Informationsquelle, sondern auch ein niedrigschwelliger Wegweiser in ein oft komplexes grenzüberschreitendes Rechts- und Behördennetz.
Das Angebot steht in allen EU-Sprachen zur Verfügung und ist unter EU Fair Care kostenlos abrufbar.