EU-Gleichbehandlungsstelle

Schule

Wenn Sie als EU-Bürger/in nach Deutschland kommen und Kinder haben, dann ist das Thema Schule für Sie sehr wichtig. Im folgenden Artikel erklären wir Ihnen die Besonderheiten des deutschen Schulsystems und geben weiterführende Hinweise.

1. Schulpflicht

Alle Kinder, die in Deutschland leben, müssen zur Schule gehen, das heißt es besteht eine Schulpflicht. Die allgemeine Schulpflicht beginnt in der Regel nach der Vollendung des 6. Lebensjahres. Wird ein Kind erst nach dem Beginn des neuen Schuljahres (zum Beispiel im Oktober) 6 Jahre alt, wird es meist im Folgejahr eingeschult. Dies hängt davon ab, wann das jeweilige Bundesland, in dem Ihr Kind in die Schule gehen wird, den „Stichtag“ festgelegt hat (dieser kann zwischen dem 30. Juni und dem 30. September liegen). Wenn Ihr Kind vor dem Stichtag seinen 6. Geburtstag hat, wird es in dem Jahr schon schulpflichtig. In allen Bundesländern beginnt das neue Schuljahr im August oder September. Die Schulpflicht gilt ebenso für behinderte Kinder und Jugendliche.

Tipp: Wann ein Kind frühestens die Schule besuchen kann oder spätestens muss, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich („Stichtag“). Informieren Sie sich bei der Schulbehörde Ihrer Gemeinde oder Ihrer Stadt sowie bei der Migrationsberatung über die Regelungen in Ihrem Bundesland.

Die konkreten Regelungen zur Schulpflicht unterscheiden sich in den einzelnen Bundesländern. Kinder und Jugendliche müssen je nach Bundesland mindestens 9 oder 10 Jahre zur Schule gehen (Grundschule und Sekundarstufe I). Danach folgt in einigen Bundesländern verpflichtend der Besuch einer weiterführenden Schule der Sekundarstufe II (Gymnasium oder Berufsschule).

Tipp: Wann ein Kind frühestens die Schule besuchen kann oder muss, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Informieren Sie sich bei der Schulbehörde Ihrer Gemeinde oder Ihrer Stadt sowie bei der Migrationsberatung über die Regelungen in Ihrem Bundesland.

Die konkreten Regelungen zur Schulpflicht unterscheiden sich in den einzelnen Bundesländern. Kinder und Jugendliche müssen je nach Bundesland mindestens 9 oder 10 Jahre zur Schule gehen (Grundschule und Sekundarstufe I). Danach folgt in einigen Bundesländern verpflichtend der Besuch einer weiterführenden Schule der Sekundarstufe II (Gymnasium oder Berufsschule).

Der Schulbesuch an staatlichen Schulen ist kostenlos. Zusätzlich gibt es in Deutschland auch Privatschulen, für die in der Regel ein Schulgeld entrichtet werden muss.

In Deutschland sind die Bundesländer für die Bildung zuständig, deshalb gibt es in jedem Bundesland Besonderheiten, vor allem die Bezeichnungen der weiterführenden Schularten können sich unterscheiden.

2. Der Aufbau des Schulsystems

Der Aufbau des Schulsystems ist jedoch in allen Bundesländern ähnlich:

1. Grundschule (Primarstufe)
Ab dem 6. Lebensjahr gilt in der Regel die Schulpflicht und die Kinder treten in die Grundschule ein. Die Grundschule reicht von Jahrgangsstufe 1 bis 4 (in Berlin und Brandenburg 1 bis 6) und ist die einzige Bildungseinrichtung, die von fast allen Schülerinnen und Schülern gemeinsam besucht wird. Hier gilt das Wohnortprinzip: Das heißt, die Kinder besuchen in der Regel eine Grundschule in der Nähe ihres Wohnortes. In einigen Bundesländern können die Eltern die Grundschule für ihre Kinder auch selbst auswählen.

2. Übergang von der Grundschule (Primarstufe) in die Sekundarstufe I
In der letzten Klasse der Grundschule entscheidet sich, welche weiterführende Schule (Sekundarstufe I) die Kinder nach der Grundschule besuchen werden. Auf Basis der Schulnoten (und ggf. weiterer Kriterien wie Lern- und Arbeitsverhalten) wird durch die Lehrer/in eine Schullaufbahnempfehlung für die Sekundarstufe ausgesprochen. Diese Schullaufbahnempfehlung wird in einem gemeinsamen Beratungsgespräch mit den Eltern besprochen. Auf dieser Grundlage entscheidet sich der weitere Bildungsgang des Kindes. In den meisten Bundesländern ist die Empfehlung nicht bindend, das heißt die Eltern können entscheiden, welche weiterführende Schule ihr Kind nach der Grundschule besucht. Doch müssen die Schülerinnen und Schüler bei Auswahl einer nicht empfohlenen Schulform je nach Bundesland zumeist eine Aufnahmeprüfung absolvieren und/oder eine Probezeit an der gewählten Schule bestehen.

3. Weiterführende Schulen (Sekundarstufe I sowie Sekundarstufe II)
Nach der Grundschule unterteilt sich das Schulsystem in verschiedene Schularten mit unterschiedlichen Lehrplänen und Abschlüssen. Die Angebote der einzelnen Schulen in den Sekundarstufen I und II unterscheiden sich stark voneinander.

Tipp: Eltern sollten gemeinsam mit ihrem Kind und dessen Lehrern sorgfältig beraten, welche Schule für das Kind gewählt wird. Informieren Sie sich beim Schulamt, im Internet oder bei anderen Eltern über die Schulen vor Ort. Die Schulbehörden bieten dazu ebenfalls Informationen an.

3. Auswahl der richtigen Schule

Die folgenden Fragen können Ihnen bei der Auswahl einer Schule für Ihr Kind helfen:

  • Welche weiterführenden Schulen gibt es in Ihrem Bundesland?
  • Welche Schulabschlüsse können dort erworben werden?
  • Welche zusätzlichen Unterrichtsangebote hat die Schule (zum Beispiel Fremdsprachen, Arbeitsgemeinschaften, Sportkurse, Musik- / Theaterkurse, Sprachförderung, Hausaufgabenhilfe)?
  • Wie werden Kinder bei Lernproblemen unterstützt?
  • Bietet die Schule ein Ganztagsangebot oder eine Nachmittagsbetreuung an?
  • Zu welchem weiteren Bildungsweg (z.B. Berufsausbildung oder Studium) berechtigen die Abschlüsse?

Folgende Schularten in der Sekundarstufe I gibt es:

  • Hauptschulen (bis zur 9. oder 10. Klasse)
  • Realschulen (bis zur 10. Klasse)
  • Schulen mit mehreren Bildungsgängen (hier können Haupt- oder Realschulabschlüsse erworben werden)
  • Gymnasien (bis zur 9. Klasse)
  • Gesamtschulen (hier können alle Abschlüsse erworben werden)

Die Sekundarstufe II umfasst folgende Schulen:

  • die gymnasiale Oberstufe (Gymnasium oder Gesamtschule ab der 10.Klasse bis zur 12. oder 13. Klasse)
  • die berufsbildenden Schulen
  • die Weiterbildungsschulen für Erwachsene (Abendschulen und Kollegs)

An allen Schulformen kann ein allgemeinbildender Schulabschluss erworben werden. Dieser berechtigt – je nach Abschluss – zum Besuch unterschiedlicher weiterführender Bildungseinrichtungen (zum Beispiel Universität, Fachhochschule, Berufsausbildung).

An Schulen, deren Ziel es ist, einen bestimmten Schulabschluss zu vermitteln, ist der gesamte Unterricht auf diesen einen bestimmten Abschluss bezogen. Dies sind zum Beispiel:

  • die Hauptschule (Abschluss: Hauptschulabschluss),
  • die Realschule (Abschluss: Realschulabschluss / Mittlere Reife / Mittlerer Schulabschluss),
  • das Gymnasium (Abschluss: Abitur).

Es gibt aber auch Schulen, an denen man verschiedene Schulabschlüsse erwerben kann (Gesamtschulen). Es entscheidet sich erst im Verlauf der Schulkarriere, welchen Abschluss das Kind erlangen wird.

An Integrierten Gesamtschulen besuchen die Schülerinnen und Schüler hingegen keinen bestimmten Bildungsgang. Sie können stattdessen in den einzelnen Fächern zwischen unterschiedlich anspruchsvollen Kursen wählen – so genannte Förder-, Grund- und Erweiterungskurse.

Im Laufe der Schulzeit ist prinzipiell der Wechsel von einer Schulart zu einer anderen möglich, wenn die erforderlichen Leistungen erbracht werden.

In Deutschland ist ein Schulabschluss keine Voraussetzung, um eine Berufsausbildung aufzunehmen, allerdings gibt es kaum Ausbildungsbetriebe, die einen Jugendlichen ohne Schulabschluss zur Berufsausbildung aufnehmen. Mehr dazu in den FAQs.

Es gibt auch im Erwachsenenalter Möglichkeiten, einen Schulabschluss nachzuholen. Mehr dazu in den FAQs.

4. Weiterführende Informationen

Hier finden Sie weitere Informationen:
Jedes Kultus- oder Schulministerium der Bundesländer hat eine Internetseite, auf der alle Bildungswege erläutert sind. Auch die Schulverwaltung und die Schulen selbst bieten Beratungen an. Die meisten Schulen veranstalten (meist am Beginn des Jahres) einen „Tag der offenen Tür“, an dem sich Eltern und Kinder über die Angebote informieren können.

Einen ersten Überblick über das Schulsystem, die Schularten- und Schulabschlüsse erhalten Sie auf der Internetseite wir-sind-bund in den Sprachen:

Deutsch

Englisch

Französisch

Polnisch

Eine schematische Übersicht zum Bildungssystem in Deutschland mit Erläuterungen finden Sie hier.

Eine Übersicht über die einzelnen Regelungen zum Schulsystem ist auch auf der Internetseite der Kultusministerkonferenz erhältlich.

FAQ Schule

Nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) und der Handwerksordnung (HwO) ist keine bestimmte Vorbildung für die Aufnahme einer Berufsausbildung vorgeschrieben. Abhängig vom jeweiligen Beruf fordern die meisten Betriebe aber mindestens einen Hauptschulabschluss, wenn nicht sogar einen mittleren Bildungsabschluss (Mittlerer Schulabschluss, Realschulabschluss) oder die (Fach-) Hochschulreife (Abitur). Ohne Schulabschluss ist es auf dem deutschen Arbeitsmarkt sehr schwierig, eine Ausbildungsstelle zu finden.

Hauptschulabschluss:
Der Hauptschulabschluss qualifiziert vor allem zur Aufnahme einer dualen Berufsausbildung. Dazu müssen die Jugendlichen jedoch zunächst eine Lehrstelle in einem Betrieb finden. Viele Ausbildungsbetriebe setzen allerdings einen Realschulabschluss voraus.

Jugendliche, die nicht mehr schulpflichtig sind und
• noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben oder
• die Ausbildungsstelle verloren haben und sich beruflich neu orientieren möchten oder aber
• keinen Schulabschluss haben,

können eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB) der Agentur für Arbeit absolvieren. Sie dauert in der Regel bis zu zehn Monate.

Realschulabschluss:
Für Jugendliche mit einem Realschulabschluss (auch Mittlere Reife oder Mittlerer Schulabschluss genannt) ist das Spektrum der Berufsmöglichkeiten deutlich größer. Der Realschulabschluss eröffnet den Weg in viele Berufsausbildungen. Er ermöglicht neben der dualen Berufsausbildung auch die Aufnahme einer vollzeitschulischen Berufsausbildung und eröffnet – zum Teil unter Voraussetzung eines bestimmten Notendurchschnitts – den Zugang zu den verschiedenen Schulformen der Sekundarstufe II (Fachoberschule, Berufsoberschule, Fachgymnasium) und zur gymnasialen Oberstufe (Abitur).

Hochschulreife (Abitur):
Die Hochschulreife eröffnet die Möglichkeit, ein Studium an einer Hochschule aufzunehmen, wenn dies gewünscht ist. Dies kann eine Universität oder eine Fachhochschule sein. Die Hochschulreife wird durch folgende Schulabschlüsse erworben:

  • die Allgemeine Hochschulreife (Abitur),
  • die Fachgebundene Hochschulreife (fachgebundenes Abitur) oder
  • die Fachhochschulreife (Fachabitur)

Einen schematischen Überblick über das Bildungssystem in Deutschland mit Erläuterungen zu den Abschlüssen gibt die Webseite der Kultusministerkonferenz (KMK) in deutscher oder englischer Sprache.

Das Nachholen eines Schulabschlusses ist in der Regel an Abendschulen (Abendhauptschulen, Abendrealschulen, Abendgymnasien) und Kollegs möglich. Abendhauptschulen bereiten Erwachsene in einem einjährigen Bildungsgang (2 Semester) auf den Erwerb des Hauptschulabschlusses vor. Abendrealschulen führen Erwachsene in Abendkursen (4 Semester) zum Mittleren Schulabschluss. Abendgymnasien ermöglichen in einem Zeitraum von in der Regel 3 Jahren den Erwerb der Hochschulreife. Kollegs sind Vollzeitschulen zur Erlangung der Hochschulreife.