EU-Gleichbehandlungsstelle

Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen

Im Berufsanerkennungsverfahren können Sie Ihre im Ausland erworbenen Qualifikationen prüfen und deren Gleichwertigkeit mit dem Abschluss im Zielland feststellen lassen. In manchen Berufen ist eine solche Anerkennung zwingend für die Berufsausübung erforderlich.

1. Warum Berufsanerkennung?

Fachkräfte mit einer ausländischen beruflichen oder akademischen Qualifikation haben den rechtlichen Anspruch, dass ihre Qualifikation mit einem deutschen Abschluss verglichen und bewertet wird. Abschlüsse und Qualifikationen sind auf dem deutschen Arbeitsmarkt ganz entscheidend. Für einige Jobs, in sogenannten reglementierten Berufen, ist eine bestimmte Qualifikation zwingend vorzuweisen. Für andere Jobs (in nicht reglementierten Berufen) ist die Anerkennung von Qualifikationen zwar nicht rechtlich zwingend, aber in vielen Fällen von Vorteil. Gerade wenn Sie einen Job wollen, der Ihrer erworbenen Qualifikation entspricht, sollten Sie sich um die Anerkennung Ihrer beruflichen Qualifikation kümmern. Sonst kann es Ihnen passieren, dass Sie trotz guter Qualifikation in Deutschland in einem Job arbeiten, der weit unter Ihren beruflichen Kompetenzen liegt.  

Tipp: Bevor Sie das Anerkennungsverfahren einleiten, sollten Sie sich von einer auf Anerkennung spezialisierten Stelle beraten zu lassen. Oftmals sind es Besonderheiten im Verfahren oder spezifische Anforderungen, auf die Sie die Beratungsstellen hinweisen können. Sie begleiten die Verfahren und können wertvolle Tipps zur finanziellen Unterstützung geben. Hier finden Sie eine qualifizierte Beratungsstelle in Ihrer Nähe.  

2. Anerkennung zwingend notwendig – reglementierte Berufe

Bei den reglementierten Berufen ist (unabhängig vom Ausbildungsland) eine Anerkennung zwingend notwendig. Beispiele für reglementierte Berufe sind: Medizinische Berufe (ausgenommen Helfertätigkeiten), Rechtsanwalt/-anwältin, Lehrer/in, Erzieher/in oder Ingenieur/in. Eine Liste mit allen Berufen, die in Deutschland reglementiert sind, finden Sie hier

Im Anerkennungsverfahren wird überprüft, ob Ihre beruflichen Qualifikationen mit dem deutschen Referenzberuf vergleichbar sind. Damit wird die Gleichwertigkeit überprüft. Dafür zieht die zuständige Stelle Ihre Unterlagen heran (z.B. zu Abschlüssen, Prüfungen, Ausbildungsinhalten etc.). Auch Ihre Berufserfahrungen spielen hier eine Rolle. 

Die Anerkennungsverfahren werden von unterschiedlichen Stellen in Deutschland durchgeführt, die für die Anerkennung beruflicher Qualifikationen zuständig sind. Entscheidend ist, um welchen Beruf es sich handelt. Welche Stelle für Sie zuständig ist, erfahren Sie im Anerkennungsfinder. Der Anerkennungsfinder ist mehrsprachig aufrufbar.

Beispiel: Wenn Sie wissen möchten, ob und wo Sie Ihre Ausbildung als Erzieher/in anerkennen lassen können, geben Sie im Anerkennungsfinder Ihren Beruf ein. Hier erhalten Sie die wichtigsten Informationen darüber, ob Ihr Beruf reglementiert oder nicht reglementiert ist, welche Anforderungen an den Beruf in Deutschland gestellt werden und welche Ausbildung Sie absolviert haben müssen. Der Anerkennungsfinder lotst Sie auch zu der Stelle, wo Sie die Feststellung der Gleichwertigkeit für Ihren Beruf beantragen können. 

Für einen Antrag auf Anerkennung (Feststellung der Gleichwertigkeit) brauchen Sie keine deutsche Staatsbürgerschaft und auch keinen Wohnsitz in Deutschland. Es genügt, dass Sie eine abgeschlossene berufliche Qualifikation aus dem Ausland besitzen und in Deutschland arbeiten möchten. 

Tipp: Seit 2016 haben EU-Bürger/innen die Möglichkeit, die Berufe Apotheker/in, Pflegefachfrau bzw. Pflegefachmann, Physiotherapeut/in, Bergführer/in sowie Immobilienmakler/in digital anerkennen zu lassen. In den FAQ's erfahren Sie mehr über den Europäischen Berufsausweis.

3. Anerkennung bei nicht reglementierten Berufen

Zu den nicht reglementierten Berufen zählen in Deutschland alle Berufe, die im dualen System (Berufsschule und Ausbildung im Betrieb) ausgebildet werden. Gegenwärtig sind es rund 330 Berufe. Für die nicht reglementierten Berufe ist eine formale Anerkennung keine zwingende Voraussetzung für den Einstieg in den Job. Sie können sich direkt als Installateur/in, Automechaniker/in oder auch Industriekaufmann/frau bei einem Arbeitgeber bewerben. 

Aber auch wenn Sie direkt mit einem nicht reglementierten Beruf in den Job einsteigen können, kann sich eine Anerkennung Ihrer Ausbildung lohnen. Denn ein als gleichwertig anerkannter Abschluss ermöglicht Ihnen leichter eine Beschäftigung zu finden, die Ihren Qualifikationen entspricht. Auch haben Sie schneller Zugang zu beruflicher Fortbildung. 

4. Was gilt für Schul- und Hochschulabschlüsse? 

Über die Gleichstellung mit einem deutschen Schulabschluss für berufliche Zwecke entscheiden die Zeugnisanerkennungsstellen der Bundesländer, die Sie über die anabin-Datenbank abrufen können. Für die Anerkennung von Schulabschlüssen zum Zweck der Hochschulzulassung sind in der Regel die Hochschulen zuständig. 

Wenn Sie im Ausland einen Hochschulabschluss erworben haben, können Sie sich Ihr Zeugnis von der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) bewerten lassen und erhalten eine Einschätzung dazu, mit welchem deutschen Hochschulabschluss Ihr Abschluss vergleichbar ist. Damit gelingt Ihnen nicht nur deutlich schneller der Einstieg in den Job, sondern auch entsprechend Ihren Qualifikationen. Für die Anerkennung von Studien- und Prüfungsleistungen ist in der Regel die Hochschule zuständig, an der Sie sich bewerben möchten. Eine Ausnahme davon bilden Studiengänge, die mit Staatsexamen abgeschlossen werden und von den jeweiligen Prüfungsämtern in den Bundesländern anerkannt werden. Diese bewerten für Sie, auf welcher Stufe Sie Ihr Studium in Deutschland fortsetzen können. 

Eine erste Anlaufstelle für Sie sind die Studentensekretariate der Hochschulen sowie der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), das auch zum Master und zur Promotion berät. Detailinformationen zu den jeweiligen Anerkennungsverfahren im akademischen und schulischen Bereich finden Sie hier. 

5. Beratung und Infoportale

Das Internet-Portal „Anerkennung in Deutschland“, die Datenbank anabin und das BQ-Portal gehören zu den drei zentralen Internetportalen, die Informationen zum Thema Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen/Studium bereitstellen.

Achtung: Die Portale sind oftmals auch mehrsprachig verfügbar. Bitte überprüfen Sie, ob Sie sich zu den wichtigsten Informationen in Ihrer Muttersprache informieren können. 

Anerkennung in Deutschland

Zu den unterschiedlichen Verfahren zur beruflichen Anerkennung sowie zu den zuständigen Behörden, gibt das Portal „Anerkennung in Deutschland“ einen kompakten Überblick. Anerkennung in Deutschland verfügt über ein Online-Tool, den "Anerkennungs-Finder", der Sie Schritt für Schritt durch das Anerkennungsverfahren führt. Darüber hinaus finden Sie umfassende Informationen zu den unterschiedlichen Bildungswegen – Schule, Beruf, Ausbildung und Hochschule - sowie zur Jobsuche und zu den vielfältigen Beratungsangeboten. 

Tipp: Eine telefonische Erstberatung zum Thema Anerkennung führt die Hotline „Arbeiten und Leben in Deutschland“ durch. Die Hotline bietet eine umfassende Beratung in deutscher und englischer Sprache zu den Themen „Jobsuche und Arbeit“, „Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse“, „Einreise und Aufenthalt“ sowie zum „Deutsch lernen“. Die Hotline ist montags bis freitags von 9 Uhr bis 15 Uhr unter der Nummer: +49 30 1815 - 1111 erreichbar.

Bundesweit bieten auch die Beraterinnen und Berater des Förderprogramms Integration durch Qualifizierung (IQ) die erforderlichen Anerkennungs- und Qualifizierungsberatungen an und bieten auch Qualifizierungen sowohl für reglementierte als auch nicht reglementierte Berufe an. 

Tipp: Sie können auch im Ausland eine Beratung zur Anerkennung in Anspruch nehmen. Das Projekt ProRecognition berät in aktuell 10 Ländern vor Ort Fachkräfte zur Anerkennung. In der Europäischen Union wurden Beratungsstellen in Polen und Italien eingerichtet. Die Beratung ist bei den deutschen Auslandshandelskammern angesiedelt. 

anabin

Die Datenbank anabin stellt Informationen zur Bewertung ausländischer Bildungsnachweise bereit und unterstützt Behörden, Arbeitgeber aber auch Sie als Arbeitnehmer/in dabei, Ihre im Ausland erworbene Qualifikation innerhalb des deutschen Bildungssystems einzuordnen.

BQ-Portal

Das Informationsportal für ausländische Berufsqualifikationen (BQ-Portal) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie bündelt auf einer Plattform alle relevanten Informationen zu ausländischen Berufsqualifikationen und Berufsbildungssystemen. Es bietet gerade Kammern und Unternehmen eine umfassende Wissensplattform. Das Portal bietet zudem umfassende Informationen zum Ablauf und zu den Konditionen des Anerkennungsverfahrens in Deutschland.
 

FAQ Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen

Bei 7 „sektoralen“ Berufen (Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Apotheker, Krankenpfleger, Hebammen, Architekten) aber auch Handwerksberufen sieht die Europäische Union eine automatische Anerkennung der Berufsqualifikationen vor, die sie sich formal bestätigen lassen müssen. Die Bestimmungen dafür sind in der Richtlinie 2005/36/EG geregelt. Automatisch bedeutet nur, dass nicht die Gleichwertigkeit festgestellt werden muss, sondern Sie sich formal in Deutschland bestätigen lassen müssen, einen bestimmen Berufstitel zu führen oder auch einen bestimmten Beruf ausüben zu dürfen. Abschlüsse in reglementierten Berufen, die vor dem Beitritt des Ausbildungsstaates zur Europäischen Union erworben wurden, werden automatisch anerkannt, wenn Sie eine Bescheinigung der zuständigen Gesundheitsbehörde des Ausbildungsstaats vorlegen, dass die Ausbildung den Mindeststandards der Richtlinie 36/2005/EG entspricht.

Wenn Sie, z. B., in Deutschland als Arzt/Ärztin ohne Einschränkung tätig sein möchten, benötigen Sie also formale staatliche Zulassung, d. h. die Approbation, für die Sie einen Antrag stellen müssen. Da die Bedingungen in den Bundesländern unterschiedlich geregelt sein können, erkundigen Sie sich bitte, wie diese in Ihrer Region / Ihrer Stadt aussehen.

Zudem gibt es in Deutschland auch zulassungspflichtige Handwerks-Meisterberufe, die zu den reglementierten Berufen zählen.

Eine vollständige Liste mit allen Berufen, die in Deutschland reglementiert sind, finden in Deutsch, Französisch und Englisch auf der Internetseite der Europäischen Union.

Unter diesem Link können Sie mehrsprachig nach einer Beratungsstelle suchen, die Ihnen dabei helfen kann, die richtige Anerkennungsstelle zu finden und Sie über die jeweiligen Besonderheiten bei den Berufen aufklärt.

Die deutsche Arbeitsverwaltung kann Sie bei Durchführung des Anerkennungsverfahrens finanziell unterstützen: Wenn Sie arbeitsuchend sind, können die Kosten für ein Anerkennungsverfahren zum Beispiel für Übersetzungen, Beglaubigungskopien und Gebühren aus dem Vermittlungsbudget übernommen werden. Auch die Teilnahme an Maßnahmen, die der beruflichen Eingliederung durch Vermittlung von beruflichen Kenntnissen dienen, kann durch die Arbeitsverwaltung gefördert werden.
Für Arbeitssuchende, aber auch für Beschäftigte, können unter bestimmten Voraussetzungen, auch Kosten für Weiterbildungen und Qualifizierungen übernommen werden. Die Weiterbildungen und Qualifizierungen müssen allerdings die Anerkennung eines ausländischen Berufsabschlusses ermöglichen und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen.

Die Übernahme der Kosten müssen Sie im Vorfeld in den oben benannten Fällen bei der für Sie zuständigen Agentur für Arbeit oder, wenn Sie Arbeitslosengeld II beziehen, beim Jobcenter beantragen. Wenn Sie keinen Anspruch auf Förderung durch die Arbeitsverwaltung haben, können Sie sich auf der Website zum Anerkennungszuschuss oder auf der Seite der IHK-FOSA über weitere Fördermöglichkeiten im Rahmen des Anerkennungsverfahrens informieren. 

Achtung: Sie müssen den Antrag auf den Anerkennungszuschuss vor dem Antrag auf Anerkennung Ihrer beruflichen Ausbildung stellen! Sie können den Zuschuss nicht im Nachhinein beantragen. 

Weitere Beratungsstellen zum Anerkennungszuschuss sind: 

  1. Das Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (fbb) gGmbH
    Telefon: +49 371 4 33 11 222
    E-Mail: anerkennungszuschuss@f-bb.de
  2. Das bundesweit arbeitende Netzwerk IQ

Tipp: Das IQ-Netzwerk bietet auch Beratung zu möglichen Anpassungsqualifizierungen an. 
 

Kosten, die im Zusammenhang mit dem Anerkennungsverfahren nach dem Anerkennungsgesetz des Bundes oder den Anerkennungsgesetzen der Länder entstehen (z.B. für Übersetzungen, Gebühren für Verfahren der Prüfung der Gleichwertigkeit von ausländischen Berufsqualifikationen und insbesondere für eine Qualifikationsanalyse) können unter bestimmten Voraussetzungen erstattet werden. Die Höhe und die Art der Kostenübernahme können je nach Berufsfeld sehr stark variieren. Daher sollten sich Antragstellerinnen und Antragsteller im Vorfeld erkundigen, welche Kosten in welcher Höhe übernommen werden können und welche nicht. 

Stellen, die in Deutschland zur Anerkennung sowie zu den Kosten beraten finden Sie hier: 
•    IQ-Netzwerk zu den Themen Anerkennung und Qualifizierung 
•    IQ-Beratungsstellen bundesweit 
•    Anerkennung von Berufsqualifikationen, Hochschul- und Schulabschlüssen

Unterstützungsmöglichkeiten bei der Anerkennung
Die deutsche Arbeitsverwaltung kann Sie bei Durchführung des Anerkennungsverfahrens finanziell unterstützten:
Wenn Sie arbeitssuchend sind, können die Kosten für ein Anerkennungsverfahren zum Beispiel für Übersetzungen, Beglaubigungskopien und Gebühren aus dem Vermittlungsbudget übernommen werden. Auch die Teilnahme an Maßnahmen, die der beruflichen Eingliederung durch Vermittlung von beruflichen Kenntnissen dienen, kann durch die Arbeitsverwaltung gefördert werden.

Für Arbeitssuchende, aber auch für Beschäftigte, können unter bestimmten Voraussetzungen auch Kosten für Weiterbildungen und Qualifizierungen übernommen werden. Die Weiterbildungen und Qualifizierungen müssen allerdings die Anerkennung eines ausländischen Berufsabschlusses ermöglichen und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen.

Die Übernahme der Kosten müssen Sie im Vorfeld in den oben benannten Fällen bei der für Sie zuständigen Agentur für Arbeit oder, wenn Sie Arbeitslosengeld II beziehen, beim Jobcenter beantragen.

Achtung: Wenn Sie keinen Anspruch auf Förderung durch die Arbeitsverwaltung haben, können Sie bis zum 30.9.2019 den Anerkennungszuschuss des Bundes beantragen. Der Anerkennungszuschuss ist insbesondere für Beschäftigte gedacht, die unterhalb ihrer abgeschlossenen Qualifikation arbeiten und nur ein sehr kleines Einkommen haben. Der Anerkennungszuschuss des Bundes beträgt maximal 600 Euro und muss nicht zurückgezahlt werden. Wichtig ist, zunächst einen Antrag auf Förderung zu stellen, bevor die Anerkennung der ausländischen Berufsqualifikation in Angriff genommen wird. Den Antrag können Sie z.B. bei einer Anerkennungsberatungsstelle des Förderprogramms Integration durch Qualifizierung (IQ) in Ihrer Nähe stellen. Umfassende Informationen zum Anerkennungszuschuss finden Sie hier.

In Berlin und Hamburg gibt es darüber hinaus Landesprogramme, die neben dem Anerkennungszuschuss finanzielle Unterstützung anbieten.

Im Zuge der Reform der EU-Richtlinie von 2005 sind zum 18. Januar 2016 Neuerungen in Kraft getreten, darunter die Einführung von Berufsausweisen.
Seit 2016 ist es möglich, die Berufe Apotheker/in, Pflegefachmann bzw. -frau, Physiotherapeut/in, Bergführer/in und Immobilienmakler/in über die Anerkennung in einem digitalen Verfahren durchzuführen (Europäischer Berufsausweis). Mit diesem elektronischen Zertifikat wird das Anerkennungsverfahren deutlich beschleunigt und vereinfacht. Es kann direkt über die Website Your Europe der Europäischen Kommission beantragt werden.

Auf der Website Anerkennung in Deutschland finden Sie Detailinformationen zum Verfahren für den Europäischen Berufsausweis. Auch finden Sie auf der Seite den direkten Link zur Antragstellung sowie ein mehrsprachiges Erklärvideo. 
 

Wenn Sie beispielsweise im Ausland eine Berufsausbildung abgeschlossen haben und nicht alle Dokumente in Deutschland vorlegen können, können Sie über eine Qualifikationsanalyse Ihre beruflichen Kompetenzen praktisch nachweisen. Es ist keine Prüfung, sondern 

  • Sie führen zum Beispiel ein Fachgespräch mit einem Experten in Ihrem erlernten Beruf, 
  • Sie stellen Ihre Fertigkeiten durch eine Arbeitsprobe unter Beweis oder 
  • Sie arbeiten zur Probe in einem Betrieb.

Sie selbst haben die Gelegenheit, dem potentiellen Arbeitgeber zu zeigen, was Sie können und der Arbeitgeber selbst kann Ihre beruflichen Fähigkeiten besser einzuschätzen.  
Alle wichtigen Informationen dazu sowie zur finanziellen Unterstützung finden Sie unter diesem Link
 

Nicht-reglementierte Berufe sind in Deutschland alle rund 330 Berufe, die im dualen System (Berufsschule und Ausbildung im Betrieb) ausgebildet werden. Beispiele dafür sind: Handwerkliche Berufe wie Installateur, Bäcker, Tischler, Maurer, Friseurin. Technische Berufe wie Elektroniker, Mechatroniker oder Kaufmännische Berufe wie Industriekaufmann, Kaufmann im Groß- und Außenhandel, Bankkaufmann.

Für diese Berufe gibt es keine gesetzliche Vorschrift zur Berufsausübung. Daher ist auch kein Verfahren zur Anerkennung mit einem Vergleichsberuf notwendig. Unionsbürger/innen können sich somit unmittelbar auf dem deutschen Arbeitsmarkt bewerben. Die Bewertung der ausländischen Qualifikation erfolgt in diesen Fällen durch den Arbeitgeber.

Jedoch kann es sehr sinnvoll sein, wenn Sie Ihren Abschluss auch in Deutschland anerkennen lassen, um Arbeitgebern und Unternehmen Ihre ausländische Qualifikation verständlicher zu machen. Zudem ermöglicht ein als gleichwertig anerkannter Abschluss leichter den Zugang zu einem adäquat bezahlten Job und zu beruflicher Fortbildung. Die Liste aller Ausbildungsberufe in Deutschland finden Sie hier.

Bei ausländischen Hochschulabschlüssen, die zu einem nicht-reglementierten Beruf hinführen, z.B. Mathematikerin bzw. Mathematiker, Ökonomin bzw. Ökonom, Journalistin bzw. Journalist, wird ebenfalls keine Anerkennung benötigt.
 

Die meisten Berufe in Deutschland zählen zu den nicht reglementierten Berufen. Die Prüfung der Gleichwertigkeit hat bei den reglementierten und den nicht-reglementierten Berufen eine unterschiedliche Funktion. Ein reglementierter Beruf ist ein Beruf, der nur dann ausgeübt werden kann, wenn der Nachweis einer bestimmten Qualifikation erbracht worden ist. Diese sind beispielsweise medizinische Berufe, Rechtsberufe, das Lehramt an staatlichen Schulen sowie Berufe im Öffentlichen Dienst (zum Beispiel Soldat/in oder Polizist/in). Auch akademische Berufe können reglementiert sein, wie zum Beispiel die Ausbildung von Architekten oder Ingenieuren. Sie können auf der Internetseite der Bundesagentur für Arbeit und auf der mehrsprachigen Website der EU-Kommission prüfen, welche Berufe reglementiert sind und eine Anerkennung benötigen. Über den Link zum Anerkennungsfinder werden Sie direkt zu der Stelle geführt, die für Sie das Anerkennungsverfahren durchführen wird.    
 

In der Regel werden für die Verfahren Gebühren erhoben. Diese können teilweise sehr unterschiedlich sein und richten sich nach den Gebührenregelungen der zuständigen Stelle sowie nach dem Aufwand, der zur Durchführung des Verfahrens notwendig ist. Aktuell liegen die Gebühren zwischen 25€ und 1.000€.
Die IHK FOSA und die Handwerkskammern verlangen, je nach Verfahrensaufwand, zwischen 100€ und 600€. In den Fällen, in denen die Anerkennung abgelehnt wird, müssen Sie mit Kosten zwischen 100€ und 200€ rechnen. Auch die Kosten für Beglaubigungen, Übersetzungen oder Kopien tragen Sie selbst. Das IQ-Netzwerk Baden-Württemberg gibt eine Einschätzung darüber ab, welche Kosten entstehen können. 

Die zuständige Stelle prüft, ob Ihr im Ausland erworbener Abschluss mit dem entsprechenden deutschen Vergleichsberuf gleichwertig ist. Gleichwertig ist Ihr Abschluss, wenn keine wesentlichen Unterschiede zwischen Ihrem ausländischen und dem entsprechenden deutschen Abschluss bestehen. 
Neben der Ausbildung berücksichtigt die zuständige Stelle auch Ihre im In- oder Ausland erworbene Berufserfahrung. Festgestellte wesentliche Unterschiede können durch einschlägige Berufserfahrung oder auch Weiterbildung ausgeglichen werden.

In der Regel wird das Anerkennungsverfahren innerhalb von drei Monaten nach Einreichung der kompletten Antragsunterlagen abgeschlossen, das bedeutet erst wenn alle erforderlichen Unterlagen vorliegen, beginnt die Frist. In besonders schwierigen Fällen kann sie einmalig verlängert werden. Dieses ist dann der Fall, wenn Nachweise fehlen und aus dem Ausland angefordert werden müssen oder eine Qualifikationsanalyse durchgeführt wird. Erhalten Sie für Ihren im Ausland erworbenen Beruf die volle Gleichwertigkeit mit der vergleichbaren deutschen Ausbildung, haben Sie Anspruch auf die gleiche Behandlung und Bezahlung wie ein deutscher Arbeitnehmer.
Bei einer teilweisen Gleichwertigkeit bestehen in bestimmten Bereichen wesentliche Unterschiede zwischen Ihren Berufs- und den deutschen Referenzqualifikationen. Der Bescheid weist die Lücken detailliert aus, so dass diese gezielt mit Anpassungsqualifizierungen geschlossen werden können.
Keine Gleichwertigkeit wird selten beschieden, denn bevor eine Anerkennung durchgeführt wird, erhalten Antragstellerinnen und Antragsteller eine ausführliche Beratung. Erfahren Sie hier mehr.