EU-Gleichbehandlungsstelle

Familie und Kinder

1. Leistungen vor und nach der Schwangerschaft

Für (werdende) Mütter, die in Deutschland ihren Arbeitsplatz haben, gilt das Mutterschutzgesetz (MuSchG). Dieses Gesetzt schützt vor Gefahren am Arbeitsplatz und gibt ihnen einen besonderen Kündigungsschutz. So dürfen werdende Mütter in den letzten 6 Wochen vor der Geburt nur mit ihrer Einwilligung und bis zum Ablauf von 8 Wochen nach der Geburt gar nicht arbeiten. Bei Früh- und Mehrlingsgeburten dürfen die Mütter bis 12 Wochen nach der Geburt nicht arbeiten. Bei medizinischen Frühgeburten und bei sonstigen vorzeitigen Entbindungen verlängert sich die Mutterschutzfrist nach der Geburt um die Tage, die vor der Entbindung nicht in Anspruch genommen werden konnten. Außerdem verbietet das Gesetz bestimmte Arbeiten (zum Beispiel Akkord-, Fließband-, Mehr-, Sonntags- oder Nachtarbeit). Wenn ein Arzt ein individuelles Beschäftigungsverbot bescheinigt, dann gilt das ebenso.

Um die Frau in dieser Zeit vor finanziellen Nachteilen zu schützen, regelt das Mutterschutzgesetz verschiedene Mutterschaftsleistungen:

  • das Mutterschaftsgeld,
  • den Arbeitgeberzuschuss zum Mutterschaftsgeld während der Mutterschutzfristen,
  • das Arbeitsentgelt bei Beschäftigungsverboten außerhalb der Mutterschutzfristen (Mutterschutzlohn).

2. Kindergeld

Sie können deutsches Kindergeld für Ihre Kinder beanspruchen, wenn:

  • Sie Staatsangehöriger eines EU-Mitgliedstaates, Islands, Liechtensteins, Norwegens (EWR-Staaten) oder der Schweiz sind,
  • Sie in Deutschland einen Wohnsitz oder Ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben und somit unbeschränkt einkommenssteuerpflichtig sind. Wenn Sie nicht in Deutschland wohnen oder Ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, aber mindestens 90 % Ihres Einkommens in Deutschland erwirtschaften, können Sie auf Antrag beim Finanzamt als unbeschränkt einkommenspflichtig behandelt werden.
  • Ein Anspruch kann auch bestehen, wenn Sie in Deutschland beschränkt einkommenssteuerpflichtig sind, weil Sie nicht in Deutschland wohnen oder Ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, aber hier sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind.

Achtung: Während der ersten drei Monate nach Wohnsitzverlegung oder Begründung des gewöhnlichen Aufenthalts in Deutschland haben Sie keinen Anspruch auf Kindergeld, wenn Sie in dieser Zeit keine inländischen Einkünfte haben. Dazu zählt Einkommen aus Ihrer Arbeit (nicht-selbständig oder selbständig) oder Einkünfte aus Gewerbebetrieb (§ 2 Abs. 1 Nr. 1 bis 4 EStG).

  • Für einen Kindergeldanspruch müssen Sie freizügigkeitsberechtigt sein. Ein Freizügigkeitsrecht haben Sie, wenn Sie etwa einer Arbeit nachgehen (nicht-selbständig oder selbständig) oder Familienangehöriger eines EU-Staatsangehörigen sind (§ 2 Abs. 2 Nr. 1 oder § 2 Nr. 2-7 FreizügG/EU). Wenn Sie nicht erwerbstätig sind, ist erforderlich, dass Sie über ausreichenden Krankenversicherungsschutz und ausreichende Existenzmittel verfügen. Anderenfalls sind Sie nicht freizügigkeitsberechtigt. Dies gilt auch für nicht erwerbstätige Familienangehörige.

Achtung: Wenn sich Ihr Freizügigkeitsrecht ausschließlich aus dem Zweck der Arbeitsuche ergibt (§ 2 Abs. 2 Nr. 1a FreizügG/EU), besteht kein Anspruch auf Kindergeld. Dies gilt nur dann nicht, wenn Sie sich vor Beginn der Arbeitsuche bereits aufgrund eines anderen Freizügigkeitsrechts in Deutschland aufgehalten haben, z.B. weil Sie vorher bereits gearbeitet haben. In diesem Fall besteht auch für Arbeitsuchende ein Anspruch auf Kindergeld.

Kindergeld erhalten Sie in der Regel für Kinder bis zum 18. Geburtstag. Dazu gehören:
•    leibliche und adoptierte Kinder,
•    Stiefkinder,
•    Pflegekinder,
•    Enkelkinder.

Wenn das Kind älter als 18 Jahre ist, können Sie Kindergeld nur unter bestimmten Voraussetzungen erhalten. Mehr dazu in den FAQs.

Achtung: Wenn Ihre Familie in einem anderen EU-Land lebt, muss zunächst geklärt werden, welches Land für die Zahlung von Kindergeld zuständig ist. Es kann sein, dass Sie Teilleistungen in unterschiedlichen EU-Ländern erhalten. Das hängt von Ihrer Familiensituation ab. Erfahren Sie mehr hier.

Der Antrag auf Kindergeld ist von dem Elternteil, bei dem das Kind lebt, bei der Familienkasse zu stellen. Das Kindergeld beträgt für das erste und zweite Kind jeweils 204 Euro im Monat, für das dritte Kind 210 Euro und für jedes weitere Kind jeweils 235 Euro.

Achtung: Ab dem 1. Januar 2018 gelten kürzere Fristen für rückwirkende Anträge auf Kindergeld. Ab Antragseingang zahlt Ihnen die Familienkasse Kindergeld rückwirkend nur noch für die vergangenen 6 Monate.

Weitere Hinweise zum Kindergeld und zu Antragstellung (z.B. Formulare der Familienkasse) finden Sie mehrsprachig auf der Internetseite der Familienkasse. Hier finden Sie auch das Merkblatt für Kindergeld in grenzüberschreitenden Fällen. In dem Merkblatt gibt es Hinweise zu den für Sie zuständigen Familienkassen in Deutschland.

3. Kinderzuschlag

Der Kinderzuschlag nach § 6a Bundeskindergeldgesetz (BKGG) unterstützt Eltern, deren monatliches Einkommen nicht ausreicht, den Bedarf der Familie vollständig zu decken. Er soll dafür sorgen, dass Eltern nicht wegen ihrer Kinder auf den Bezug von Arbeitslosengeld II angewiesen sind. Der Kinderzuschlag  beträgt maximal 185 Euro monatlich je Kind und deckt zusammen mit dem Kindergeld und ggf. Wohngeld den durchschnittlichen Bedarf von Kindern.
Eltern haben Anspruch auf Kinderzuschlag für ihre Kinder, wenn

  • die Kinder unverheiratet und unter 25 Jahre alt sind,
  • im Haushalt der Eltern leben,
  • für diese Kinder Kindergeld oder eine Leistung bezogen wird, die das Kindergeld ausschließt,
  • die monatlichen Einnahmen der Eltern die Mindesteinkommensgrenze von 900 Euro für Elternpaare und 600 Euro für Alleinerziehende erreichen,
  • das zu berücksichtigende Einkommen und Vermögen die Höchsteinkommensgrenze (Bemessungsgrenze zuzüglich Gesamtkinderzuschlag) nicht übersteigt und
  • der Bedarf der Familie durch die Zahlung von Kinderzuschlag und gegebenenfalls zustehendem Wohngeld gedeckt werden kann und deshalb kein Anspruch auf Arbeitslosengeld II entsteht.

4. Elterngeld

Das Elterngeld ist eine finanzielle Unterstützung für Familien nach der Geburt eines Kindes. Das Elterngeld fängt einen Teil des fehlenden Einkommens auf, wenn Sie nach der Geburt für Ihr Kind da sein wollen und Sie deshalb Ihre berufliche Arbeit unterbrechen oder einschränken. Der Anspruch auf Elterngeld besteht, wenn das Kind seinen Wohnsitz in Deutschland hat oder ein Elternteil in Deutschland beschäftigt ist bzw. war. Elterngeld kann beziehen, wer

  • in den beantragten Elterngeldmonaten im Durchschnitt nicht mehr als 30 Wochenstunden im Monat arbeitet,
  • das Kind selbst betreut und erzieht,
  • mit dem Kind in einem Haushalt lebt und
  • seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hat.

Das Elterngeld müssen Sie bei Ihrer lokalen Elterngeldstelle beantragen. Die für Sie zuständige Elterngeldstelle finden Sie hier.

Entsprechend den Bedürfnissen der Eltern, bieten die Regelungen zum Elterngeld unterschiedliche Modalitäten an.

Das Basiselterngeld beträgt 65 % bis 100 % je nach dem Nettoeinkommen vor der Geburt. Je niedriger das Einkommen, desto höher der Prozentsatz. Es beträgt mindestens 300 Euro und maximal 1.800 Euro monatlich. Väter und Mütter können es insgesamt für maximal 14 Monate erhalten und den Zeitraum frei untereinander aufteilen. Ein Elternteil kann dabei mindestens 2 und höchstens 12 Monate für sich in Anspruch nehmen. Die vollen 14 Monate gibt es, wenn beide Eltern an der Betreuung des Kindes beteiligt sind und ihnen dadurch jeweils das Erwerbseinkommen wegfällt. Alleinerziehende können aufgrund des fehlenden Partners die vollen 14 Monate Elterngeld zum Ausgleich des wegfallenden Erwerbseinkommens in Anspruch nehmen. Es gibt auch weitere Formen des Elterngeldes, zum Beispiel für Eltern die während des Elterngeldbezugs in Teilzeit arbeiten wollen. Mehr dazu in den FAQs.

Achtung: Für alle Familienleistungen für EU-Arbeitnehmer/innen gilt: Für die Zahlung von Familienleistungen ist vorrangig das Land zuständig, in dem die Eltern arbeiten. Wenn die Eltern in verschiedenen EU-Ländern arbeiten ist vorrangig das Land zuständig, in dem das Kind wohnt. Es kann sein, dass auch der andere Mitgliedstaat den Differenzbetrag zahlen muss, wenn es einen Unterschied gibt zwischen der Leistung, die der erste Staat zahlt und der Leistung, die der zweite Staat zahlen müsste. Auch während der Elternzeit gelten Sie als beschäftigt, da Ihr Arbeitsverhältnis während dieser Zeit fortbesteht.

5. Elternzeit

Die Elternzeit ist ein Anspruch der Arbeitnehmerin bzw. des Arbeitnehmers gegenüber dem Arbeitgeber, die ihre Arbeit gewöhnlich in Deutschland verrichten, sowie für Arbeitnehmer/innen, die im Ausland tätig sind, wenn das Arbeitsverhältnis deutschem Recht unterliegt. Mit der Elternzeit können Sie Ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen oder Ihre Arbeitszeit verkürzen, um sich um Ihr Kind zu kümmern. Wenn Sie Elternzeit nehmen, sind Sie von der Arbeit freigestellt. Sie erhalten kein Arbeitsentgelt. Allerdings können Sie in der Zeit unter den oben genannten Voraussetzungen Elterngeld erhalten.

Achtung: Während der Elternzeit können Sie nicht gekündigt werden, das Arbeitsverhältnis ruht lediglich und Sie haben Anspruch, auf Ihre Arbeitsstelle zurück zu kehren.

Um Elternzeit zu bekommen, müssen Sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Mehr dazu in den FAQs.

6. Kinderbetreuung

Kinder ab dem vollendeten 1. Lebensjahr haben einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in einer Kindertagesstätte (auch als Kindergarten oder „Kita“ bezeichnet) oder in einer Kindertagespflege (bei einer „Tagesmutter“ oder einem “Tagesvater“). Dieser Anspruch auf Betreuung des Kindes gilt von seinem 1. Geburtstag bis zur Einschulung.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann auch ein Kind unter 1 Jahr einen Betreuungsplatz bekommen (z.B. wenn die Eltern arbeiten, arbeitssuchend sind oder eine Ausbildung absolvieren).

Eltern können wählen, ob ihr Kind in einer Kindertagesstätte oder von einer Tagesmutter/Tagesvater betreut werden soll. Um einen Betreuungsplatz zu bekommen, müssen Sie einen Antrag beim zuständigen Jugendamt stellen.

Viele Jugendämter in Deutschland stellen entsprechende Formulare und Informationen sowie einen Überblick über die anfallenden Betreuungskosten im Internet bereit. Die Jugendämter bieten auch eine persönliche Beratung für die Eltern an und unterstützen sie bei der Suche nach einem geeigneten Betreuungsplatz.

Tipp: Wenn Sie Ihr Kind betreuen lassen möchten, müssen Sie es frühzeitig anmelden. Die Betreuungsplätze sind meist wegen der großen Zahl interessierter Eltern schnell vergeben. Viele warten mehr als 6 Monate auf einen Betreuungsplatz. Erkundigen Sie sich am besten so früh wie möglich nach freien Plätzen.

Die Betreuung in einer Kindertagesstätte ist insbesondere für die Sprachkenntnisse Ihres Kindes sehr förderlich. Für Kinder und Jugendliche, die mit einer anderen Muttersprache als Deutsch aufwachsen, gibt es im Kindergarten und in der Schule besondere Sprachförderangebote in Deutsch.

In allen Bundesländern finden bereits im Kindergarten (spätestens vor der Einschulung) Sprachtests statt, um festzustellen, ob das Kind noch weiteren Deutschunterricht benötigt. Damit wird sichergestellt, dass ein Kind dem Unterricht folgen kann.

Tipp: Für den schulischen Erfolg Ihres Kindes ist es wichtig, dass es gut Deutsch spricht. Nutzen Sie deshalb die Sprachförderangebote! In einigen Bundesländern ist die Teilnahme an Deutschförderangeboten für diejenigen Kinder verpflichtend, bei denen erkannt wurde, dass die Deutschkenntnisse nicht ausreichen. Informationen über die Angebote zur Deutschförderung erhalten Sie direkt im Kindergarten oder in der Schule Ihres Kindes sowie von der Migrationsberatung und den Jugendmigrationsdiensten.

Nähere Informationen können Sie erhalten vor Ort:

  • Stadt-, Gemeinde-, Kreisverwaltung: Jugendämter
  • Familienberatung
  • Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer
  • Kindertageseinrichtungen (viele Kitas bieten zum Beispiel einen „Tag der offenen Tür“, wo man an festen Terminen die Kita anschauen und sich mit dem pädagogischen Konzept vertraut machen kann. Diese Tage der offenen Tür werden meist auf den Webseiten der Kitas angekündigt.)

Oder im Internet:

7. Bildungs- und Teilhabepaket

Insbesondere Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die Arbeitslosengeld II, Sozialgeld oder Sozialhilfe erhalten oder deren Eltern den Kinderzuschlag oder Wohngeld beziehen, haben grundsätzlich einen Rechtsanspruch auf Bildungs- und Teilhabeleistungen. Diese umfassen:

  • eintägige Schul- und Kitaausflüge,
  • mehrtägige Klassenfahrten,
  • die Ausstattung mit persönlichem Schulbedarf,
  • die Fahrten zur Schule,
  • angemessene Lernförderung,
  • einen Zuschuss zu gemeinschaftlichen Mittagessen sowie
  • Leistungen zur Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft (Sport, Musik, Freizeit).

Die Bildungs- und Teilhabeleistungen sind bei den zuständigen kommunalen Stellen des jeweiligen Bundeslandes zu beantragen. Hier erfahren Sie, wo Sie die Leistungen bei Ihnen vor Ort beantragen können.

8. In welchem Land bekomme ich Familienleistungen?

Familienleistungen, wie zum Beispiel in Deutschland Kindergeld oder Elterngeld, gibt es in allen EU-Ländern, jedoch bestehen je nach Land große Unterschiede im Hinblick auf Ihre Ausgestaltung und Höhe.

Oft stellt sich die Frage, welches Land für die Zahlung von Familienleistungen zuständig ist. Das hängt von der Situation Ihrer Familie ab.

  • Wenn Ihre Familie in dem Land lebt, in dem Sie versichert sind, ist dieses Land für die Zahlung von Familienleistungen zuständig. Sie erhalten unter den gleichen Bedingungen und in gleicher Höhe Familienleistungen wie die Staatsangehörigen dieses Landes. Das heißt, wenn Sie in Deutschland arbeiten und mit Ihrer Familie hier leben, erhalten Sie in gleichem Umfang Familienleistungen wie deutsche Staatsangehörige.
  • Wenn Ihre Familie nicht in dem Land lebt, in dem Sie versichert sind, haben Sie möglicherweise in mehreren Ländern Anspruch auf Leistungen. Das hängt von den Regeln in den jeweiligen Ländern ab. Wenn Sie in mehreren Ländern berechtigt sind, Familienleistungen zu erhalten, entscheiden Prioritätsregeln, welches Land vorrangig zahlt. Wenn die Familienleistungen in dem anderen Land höher sind, können Sie in diesem Land die Differenz einfordern.

Beispiel: Ein Elternteil arbeitet in Deutschland, der andere Elternteil arbeitet in Polen und lebt dort mit dem gemeinsamen Kind. Dann besteht sowohl in Polen als auch in Deutschland ein Anspruch auf Kindergeld. Polen zahlt in dem Fall das polnische Kindergeld, weil das Kind in Polen lebt. Da das polnische Kindergeld niedriger ist als das deutsche Kindergeld, zahlt Deutschland die Differenz. Insgesamt bekommen Sie also so viel Kindergeld, wie in dem Land mit den höheren Leistungen. Detailliertere Informationen zu diesen Fällen erhalten Sie unter der Rubrik Rechtsprechung.

9. Video zu Familienleistungen

Wer Kinder hat, verdient die Unterstützung des Staates. Doch so vielfältig die Familien sind, so unterschiedlich sind auch die Leistungen und steuerlichen Freibeträge, die sie benötigen. Dieser Film erklärt die familienpolitischen Leistungen Kindergeld, Kinderzuschlag und Unterhaltsvorschuss sowie Freibeträge für Kinder und den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende.

Das Video wurde unter der Creative Commons Lizenz by-nc-nd/3.0/ veröffentlicht. Es darf für nicht-kommerzielle Zwecke unverändert und mit Nennung des Urhebers "Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration" weiterverbreitet und veröffentlicht werden.

Weitere Videos zu einzelnen Leistungen für Familien

FAQ Familie

Für Kinder, die älter als 18 Jahre sind, kann Kindergeld gezahlt werden, wenn sie

  • erstmalig eine Schul- oder Berufsausbildung, ein Studium oder Praktika absolvieren. Ihr Kind muss dabei Kenntnisse erwerben, die als Grundlage zur Ausübung des angestrebten Berufs geeignet sind.
  • eine zweite Ausbildung absolvieren und höchstens eingeschränkt arbeiten. Wenn Ihr Kind über das Jahr hinweg mehr als durchschnittlich 20 Stunden wöchentlich arbeitet, gibt es kein Kindergeld mehr (Ausnahme: 450-Euro-Jobs).
  • eine Ausbildung aufgrund eines fehlenden Ausbildungsplatzes nicht beginnen können. Außerdem muss man nachweisen, dass sich das Kind um einen Ausbildungsplatz bemüht. Das kann man zum Beispiel, wenn das Kind bei einer Arbeitsagentur oder einem Jobcenter ausbildungsplatzsuchend gemeldet ist.
  • arbeitslos sind. Und bei einer Agentur für Arbeit oder bei einem Jobcenter arbeitsuchend gemeldet sind. Dies gilt nur bis zu Vollendung des 21. Lebensjahres.
  • einen Bundesfreiwilligendienst oder ähnlichen Dienst ableisten.
  • sich in einer Übergangsphase zwischen zwei Ausbildungsabschnitten befinden. Dies gilt für höchstens vier Monate.
  • wegen einer Behinderung nicht in der Lage sind, sich selbst zu unterhalten.

Den Mutterschutzlohn erhalten Sie, wenn

  • Sie vor Beginn der Mutterschutzfrist aufhören zu arbeiten oder
  • nach Ende der Frist noch nicht arbeiten können oder
  • Ihr Arbeitgeber Ihnen eine andere, schlechter bezahlte Arbeit gibt.

Sie müssen keine Angst vor finanziellen Nachteilen haben. Sie behalten mindestens Ihren Durchschnittsverdienst der letzten dreizehn Wochen bzw. der letzten drei Monate vor Eintritt der Schwangerschaft (Mutterschutzlohn). Der Mutterschutzlohn gilt als steuer- und beitragspflichtiges Arbeitsentgelt.

Das Mutterschaftsgeld sichert das Einkommen einer werdenden oder jungen Mutter in der Zeit, in der sie aus Schutzgründen nicht arbeiten darf. Mutterschaftsgeld wird von den gesetzlichen Krankenkassen während der Schutzfristen vor und nach der Geburt sowie für den Tag der Geburt gezahlt. Nur Frauen, die in der gesetzlichen Krankenkasse versichert sind und Anspruch auf Zahlung von Krankengeld haben, erhalten Mutterschaftsgeld.

Die Höhe des Mutterschaftsgeldes richtet sich nach dem durchschnittlichen Nettoarbeitsentgelt der letzten drei abgerechneten Kalendermonate bzw. dreizehn Wochen und ist auf maximal 13 Euro für den Kalendertag begrenzt. Um Mutterschaftsgeld zu erhalten, müssen Sie der Krankenkasse die Bescheinigung eines Arztes oder einer Hebamme vorlegen, in der der voraussichtliche Tag der Geburt angegeben ist.

Arbeitnehmerinnen, die nicht Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse sind (zum Beispiel privat krankenversicherte oder in der gesetzlichen Krankenversicherung familienversicherte Frauen), erhalten Mutterschaftsgeld in Höhe von insgesamt höchstens 210 Euro. Zuständig hierfür ist das Bundesversicherungsamt (Mutterschaftsgeldstelle).

Ist das tägliche Nettoentgelt höher als 13 Euro, zahlt der Arbeitgeber den Unterschiedsbetrag als sogenannten Arbeitgeberzuschuss zum Mutterschaftsgeld.

Die Kosten für die Betreuung sind abhängig von der jeweiligen Kommune. Die Kommunen übernehmen einen Großteil der Kosten (unabhängig davon, ob die Betreuung durch eine städtische oder private Einrichtung bzw. Tagesmutter/-vater erfolgt). Die Eltern zahlen einen Eigenanteil, der sich nach dem Familieneinkommen berechnet. Private Kindergärten sind oftmals teurer als städtische Einrichtungen.

  • Ein Kindergeldantrag kann grundsätzlich nur von demjenigen Elternteil gestellt werden, bei dem das Kind lebt.
  • Der Antrag ist schriftlich bei der Familienkasse zu stellen. Die Familienkasse versendet keine Eingangsbestätigung. Es empfiehlt sich daher, Schreiben an die Familienkasse per Einschreiben mit Rückschein zu versenden. Über den Stand des Verfahrens können Sie sich telefonisch bei der Familienkasse erkundigen.
  • Die Bearbeitung von Kindergeldanträgen kann derzeit mehrere Monate dauern. Wenn der Antrag von der Familienkasse bearbeitet wurde, erhalten Sie entweder eine Entscheidung über den Antrag oder Sie werden aufgefordert, noch fehlende Nachweise zu erbringen. Dieser Aufforderung sollten Sie schnellstmöglich nachkommen, um weitere Verzögerungen zu vermeiden.
  • Ab Antragseingang zahlt Ihnen die Familienkasse rückwirkend Kindergeld nur für die vergangenen 6 Monate.
  • Während des gesamten Antragverfahrens sind Sie verpflichtet, die Familienkasse unaufgefordert über Veränderungen Ihrer persönlichen Umstände zu informieren. Hierunter fallen insbesondere Änderungen Ihrer Anschrift, Ihrer Bankverbindung oder Ihres Arbeitgebers. Kommen Sie dieser Pflicht nicht nach, führt dies zu Verzögerungen im Verfahren und kann auch zu einer Ablehnung des Antrags führen.
  • Ergeht ein Ablehnungsbescheid für das Kindergeld, wird dieser nach Ablauf der Einspruchsfrist, das heißt 1 Monat nach Erhalt des Bescheids, rechtskräftig. Sie können dann kein Kindergeld mehr für den betroffenen Zeitraum erhalten, unabhängig davon, ob die Ablehnung des Antrags rechtswidrig oder rechtmäßig war.

Weitere Informationen finden Sie im Merkblatt über Kindergeld in grenzüberschreitenden Fällen der Bundesagentur für Arbeit.

Es gibt in Deutschland viele Möglichkeiten der Kinderbetreuung. Die meisten Kinderbetreuungsstätten sind städtisch geführte Einrichtungen, viele sind aber auch in kirchlicher Trägerschaft oder werden von Elterninitiativen geführt. Zunehmend gibt es auch private Kindergärten.

Folgende Betreuungsformen gibt es in Deutschland:

Im Alter bis zu 3 Jahren:

  • Tagesmütter/Tagesväter
  • Kinderkrippen
  • altersgemischte Kindergärten
  • Elterninitiativen

Ab 3 Jahren bis zum Schulstart:

  • Kindergärten
  • Tagesmütter/Tagesväter

Ab dem Schulalter:

  • Ganztagsschulen
  • Horte (Betreuung nach der Schule)
  • Hausaufgabenbetreuung (Betreuung nach der Schule, meist private Initiativen)

Das Basiselterngeld beträgt 65 % bis 100 % je nach dem Nettoeinkommen vor der Geburt. Je niedriger das Einkommen, desto höher der Prozentsatz. Es beträgt mindestens 300 Euro und maximal 1.800 Euro monatlich. Väter und Mütter können es insgesamt für maximal 14 Monate erhalten und den Zeitraum frei untereinander aufteilen. Ein Elternteil kann dabei mindestens 2 und höchstens 12 Monate für sich in Anspruch nehmen. Den Anspruch auf die vollen 14 Monate gibt es, wenn beide Eltern an der Betreuung des Kindes beteiligt sind und ihnen dadurch jeweils das Erwerbseinkommen wegfällt. Alleinerziehende können aufgrund des fehlenden Partners die vollen 14 Monate Elterngeld zum Ausgleich des wegfallenden Erwerbseinkommens in Anspruch nehmen.

ElterngeldPlus (für Geburten ab 01.07.2015): Das ElterngeldPlus ist für Eltern gedacht, die während des Elterngeldbezugs in Teilzeit arbeiten. Es ersetzt den Einkommensanteil, der wegen Teilzeit entfällt, ebenso wie das Basiselterngeld zu 65% bis 100 %, je nach Einkommen. Das ElterngeldPlus beträgt maximal die Hälfte des Basiselterngeldes, das dem Elternteil ohne Teilzeiteinkommen zustehen würde (also mindestens 150 Euro und maximal 900 Euro monatlich). Dafür gibt es das ElterngeldPlus für den doppelten Zeitraum: ein Basiselterngeldmonat = zwei ElterngeldPlus-Monate.

Partnerschaftsbonus: Wenn beide Eltern gleichzeitig in Teilzeit arbeiten und in vier aufeinander folgenden Monaten durchschnittlich zwischen 25-30 Wochenstunden arbeiten, erhält jeder Elternteil für diese vier Monate zusätzliche Monatsbeträge ElterngeldPlus (Partnerschaftsbonus).

Wenn Sie in Deutschland Arbeitnehmer/in sind, können Sie zur Erziehung und Betreuung eines Kindes Elternzeit in Anspruch nehmen. Um Elternzeit zu bekommen, müssen Sie mit dem Kind in einem Haushalt leben. Beide Elternteile haben Anspruch auf Elternzeit. Die Elternzeit wird für jeden Elternteil separat betrachtet. Während der Elternzeit dürfen Eltern bis zu 30 Wochenstunden arbeiten (gemeinsam also bis zu 60 Wochenstunden).

Ist Ihr Kind vor dem 1. Juli 2015 auf die Welt gekommen, können 12 Monate Elternzeit genommen werden. Sie können die Elternzeit auch auf die Zeit zwischen dem 3. und der Vollendung des 8. Lebensjahres des Kindes übertragen, wenn Ihr Arbeitgeber damit einverstanden ist. Die Elternzeit kann in 2 Zeitabschnitten beansprucht werden.

Für Geburten ab 1. Juli 2015 können 24 Monate Elternzeit genommen werden. Sie können die Elternzeit auch auf zwischen dem 3. und der Vollendung des 8. Lebensjahres des Kindes nehmen. Die Elternzeit kann in 3 Zeitabschnitten beansprucht werden. Der Arbeitgeber kann nur den 3. Abschnitt ablehnen, wenn dringende betriebliche Gründe vorliegen und Ihr Kind älter als 3 Jahre ist.

Die Zuständigkeit richtet sich nach folgenden Prioritätsregeln:

  • Grundsätzlich ist das Land zuständig, in dem eine selbständige oder unselbständige Arbeit ausgeübt oder eine Rente bezogen wird.
  • Wenn Sie in beiden Ländern aufgrund von selbständiger oder unselbständiger Arbeit Ansprüche auf Familienleistungen haben, ist das Land zuständig, in dem Ihr Kind lebt. Lebt das Kind nicht in einem der beiden Länder, sondern in einem dritten EU-Land, ist das Land zuständig, in dem die Leistungen höher sind.
  • Wenn Ihre Ansprüche in beiden Ländern durch Bezug von Rente ausgelöst werden, ist das Land zuständig, in dem Ihr Kind lebt. Lebt Ihr Kind in einem dritten EU-Land, ist das Land zuständig, in dem Sie am längsten versichert waren oder gewohnt haben.
  • Wenn beide Elternteile weder arbeiten noch eine Rente beziehen, kann ein Anspruch auf Kindergeld nur in dem Land bestehen, in dem das Kind lebt.

Beispiele:

  • Familie Peters lebt in Deutschland. Herr Peters arbeitet in den Niederlanden und pendelt täglich zur Arbeit, während Frau Peters Hausfrau ist. Die Familie hat aufgrund des Wohnsitzes in Deutschland Anspruch auf deutsches Kindergeld. Gleichzeitig hat die Familie aufgrund der Arbeit in den Niederlanden Anspruch auf niederländisches Kindergeld.
    Die Prioritätsregeln legen fest, dass die Niederlande vorrangig Kindergeld zahlt, da dort ein Anspruch wegen Arbeit besteht. Da das Kindergeld in Deutschland jedoch höher ist als in den Niederlanden, bekommt die Familie neben dem niederländischen Kindergeld den Unterschiedsbetrag zum deutschen Kindergeld.

  • Frau Meyer arbeitet in Deutschland. Herr Meyer lebt mit der gemeinsamen Tochter in der Slowakei und bezieht dort eine Rente. Herr Meyer hat daher in der Slowakei Anspruch auf Kindergeld. Frau Meyer hat aufgrund ihrer Arbeit in Deutschland Anspruch auf Kindergeld.
    Deutschland ist hauptzuständig, da der Anspruch in Deutschland durch Arbeit ausgelöst wird, während der Anspruch in der Slowakei durch Rente ausgelöst wird. Die Familie bekommt deutsches Kindergeld. Da das Kindergeld in der Slowakei geringer ist als in Deutschland, gibt es keine weiteren Leistungen in der Slowakei.

Weitere Informationen finden Sie auf dem Merkblatt zum Kindergeld in grenzüberschreitenden Fällen der Bundesagentur für Arbeit. Auf der letzten Seite des Merkblattes sind auch die Familienkassen benannt, bei denen Sie den Antrag auf Gewährung von Kindergeld stellen können, je nach dem EU-Mitgliedsstaat, aus dem Sie kommen.